März 2026 – Ein kleiner Eisbär hat mich Einiges über das Älterwerden gelehrt

Dieser Monat hat mich auf eine Weise berührt, die ich so nicht erwartet hätte.

Mein Mann ist in ein Altersheim gezogen .Wir leben seit über 20 Jahren nicht mehr zusammen, und dennoch sind wir als Familie verbunden geblieben.

Meine drei erwachsenen Kinder haben seine Wohnung geräumt, gereinigt und schließlich übergeben. Ich habe sie dabei unterstützt, habe Erinnerungsstücke in die Hand genommen und Entscheidungen getroffen. Dabei war es mir wichtig, die Dinge zu mir zu nehmen, von denen ich weiß, dass sie ihm am Herzen liegen.

Zwischen den Dingen fand ich einen kleinen Eisbären. Den hatten wir einst in unserem Bett. Er hat ihn all die Jahre aufbewahrt. In diesem Moment hat es mich innerlich fast zerrissen. Nicht aus Trauer über das Vergangene – sondern weil manche Formen von Liebe einfach bleiben, auch wenn das Leben sich völlig verändert.

So darf ein Stück Vertrautheit erhalten bleiben. Wenn er mich besucht, sei es an Ostern oder an einem ganz gewöhnlichen Tag, findet er etwas wieder, das ihm Halt gibt.

Während dieser Tage ist in mir eine feine, aber sehr präsente Bewegung entstanden.

Ich habe begonnen, intensiver über das Älterwerden nachzudenken. Über das Leben im Alter und über das, was für mich wirklich wesentlich ist.

Ich bin 74 Jahre alt, ich bin gesund, und ich empfinde mein Leben als ein großes Geschenk. Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Gerade aus dieser Dankbarkeit heraus entstehen Fragen, die mich begleiten.

Ich frage mich, was ich noch erleben möchte und welche Erfahrungen ich weitergeben will. Es ist mir ein Anliegen, meinen Kindern etwas mitzugeben, das über das Materielle hinausgeht. Gleichzeitig überlege ich, was ich heute bewusst gestalten kann, damit für sie eines Tages vieles leichter wird.

In diesen Gedanken wird mir auch meine Hochsensibilität wieder sehr bewusst.

Ich nehme feine Veränderungen wahr, spüre Stimmungen und Zwischentöne klarer und differenzierter. Früher habe ich diese Intensität oft als Herausforderung erlebt. Heute erkenne ich darin immer mehr eine Qualität, die mich trägt.

Gerade im Älterwerden zeigt sich diese Seite von mir als wertvoll. Sie unterstützt mich dabei, achtsam zu sein und mich immer wieder mit mir selbst zu verbinden.

Ich kann wahrnehmen, was sich für mich stimmig anfühlt, was noch Klärung braucht und was ich in Ruhe loslassen darf.

In meinem Umfeld sehe ich viele Menschen, die sich im Alter zurückziehen und ihr Leben eher passiv gestalten. Für mich fühlt sich ein anderer Weg richtig an. Ich möchte mein Leben bewusst gestalten und innerlich beweglich bleiben.

Meine Hochsensibilität begleitet mich dabei wie ein innerer Kompass. Sie hilft mir, auf meinen Körper zu hören und auch die sogenannten kleinen Beschwerden als Hinweise zu verstehen. Dadurch entsteht ein achtsamerer Umgang mit mir selbst und meinen Bedürfnissen.

Gleichzeitig zeigen sich vertraute Muster aus früheren Zeiten. Ich nehme sie heute klarer wahr und kann ihnen mit mehr Ruhe begegnen. Diese Bewusstheit eröffnet mir die Möglichkeit, innezuhalten und neue Entscheidungen zu treffen.

Ich erlebe darin eine große Chance, mich selbst besser zu verstehen und mich weiterzuentwickeln.

Ich weiss nicht, wie viele solcher Monate noch kommen. Aber dieser hat mir gezeigt: Ich gehe meinen Weg bewusst weiter – mit offenen Augen, einem dankbaren Herzen und dem kleinen Eisbären irgendwo im Hintergrund.

Über die Autorin

Antonia Müller

Ich heisse Antonia Müller. Ich wohne in der Ostschweiz in der Nähe von St.Gallen und dem Bodensee. Ich selber wie auch meine Kinder sind hochsensibel. Als Lehrerin habe ich über dreissig Jahre mit hochsensiblen Kindern gearbeitet. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass Kinder unbeschwert und ohne Druck aufwachsen dürfen. Hochsensible Kinder haben ein Anrecht darauf zu lernen, wie sie ihre Gabe der Hochsensibilität sinnvoll und kreativ in ihr Leben integrieren können.

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