
Mein Leben ist wundervoll, mein Leben ist zauberhaft.
Lange Zeit hatte ich mir diesen Satz nicht erlaubt. Ich habe gelernt, vorsichtig zu sein.
Dieser Satz klingt nach Leichtigkeit, nach Freude, nach Spiel. Als Kind jedoch erwartete man von mir vor allem Ernsthaftigkeit, Fleiss und Bodenständigkeit.
Heute sage ich ihn trotzdem:
Mein Leben ist wundervoll,
mein Leben ist zauberhaft.
Ich habe gelernt,
das Wunderbare und das Zauberhafte wieder wahrzunehmen,
auch wenn mein Leben nicht immer einfach war.
Zauber war für mich nie Fantasie
in der viel mehr möglich war, als das,
was für andere sichtbar, erklärbar oder logisch war.
Ich kommunizierte mit Wesen,
die andere nicht sahen.
Ich lebte in Geschichten, in Märchen,
in inneren Bildern,
die mir halfen,
mich in dieser oft schwierigen Welt zurechtzufinden.
Diese meine Welt war für mich Schutz, Orientierung und Halt.
Hier fühlte ich mich sicher.
Die reale Welt war für mich oft zu laut,
widersprüchlich und schwer verständlich.
Meine innere Welt war viel klarer,
einfacher, friedlicher und wahrhaftiger.
Märchen als Überlebenshilfe
Ich habe viele Märchen gelesen,
Märchen aus der ganzen Welt.
Ich habe sie gelesen,
weil sie mir etwas über das Leben erzählten.
Über Liebe und Vertrauen
Über Mut und Angst
Über Prüfungen,
Über Verwandlung und Erlösung.
Aus dieser Erfahrung heraus sind später auch meine eigenen Geschichten entstanden.
In meinem Buch Papa, ich kann nicht schlafen schreibe ich für Kinder,
die abends schwer zur Ruhe finden
und Worte brauchen, die sie innerlich erreichen.
Märchen nehmen Kinder ernst
Und sie nehmen auch feinfühlige Menschen ernst.
Sie sagen:
Es gibt mehr, als du gerade siehst
und du darfst deinem inneren Wesen vertrauen.
Kinder leben noch in dieser Welt
Kinder haben oft noch einen selbstverständlichen Zugang
zu einer Welt, die über das rein Sichtbare hinausgeht.
Sie beleben ihre Umgebung,
führen innere Dialoge
und nehmen ihre Umwelt als beseelt wahr.
Besonders hochsensible Kinder verfügen über eine sehr feine Wahrnehmung.
Sie spüren Spannungen, unausgesprochene Stimmungen
und merken früh, wenn etwas nicht stimmig ist.
Genau diese Fähigkeit bringt sie jedoch
in Konflikt mit einer Gesellschaft,
die stark auf Rationalität, Funktionieren
und äussere Anpassung ausgerichtet ist.
Was nicht erklärbar oder messbar ist,
wird schnell als Fantasie abgetan.
Viele Kinder lernen dadurch,
einem Teil ihrer Wahrnehmung zu misstrauen.
Wo Wunder sichtbar werden
Wunder zeigen sich vor allem dort,
wo das Leben leiser wird.
Wenn es stiller wird, verändert sich die Wahrnehmung.
Man nimmt mehr Details wahr,
spürt Zusammenhänge
und kann Ereignisse besser einordnen.
Diese Fähigkeit ist nichts Aussergewöhnliches.
Sie ist ursprünglich
und bei Kindern oft noch sehr präsent.
Doch die permanente Lautstärke unserer heutigen Welt
überdeckt genau dieses feine Wahrnehmen.
Wenn Feinfühligkeit unbequem wird
Kinder, die viel wahrnehmen, fallen auf.
Sie reagieren sensibel auf Stimmungen,
stellen Fragen,
und lassen sich nicht einfach übergehen.
In eine Welt, die stark auf Leistung und Tempo ausgerichtet ist,
passt diese Art der Wahrnehmung nur schwer hinein.
Feinfühlige Kinder machen sichtbar,
wo etwas nicht stimmig ist –
und genau das ist unbequem.
Nicht selten wird deshalb versucht,
diese Kinder zu verändern,
statt die Umstände zu hinterfragen,
in denen sie leben.
Das entlastet Erwachsene,
verändert aber nichts an der grundlegenden Lautstärke Unruhe unserer Welt.
Ein Zauber, der mich von Anfang an begleitet
Ein Zauber in meinem Leben ist,
dass ich mit einer Glückshaube geboren wurde.
Bei etwa einem von 80000 Kindern
bleibt bei der Geburt die Fruchtblase ganz.
In alten Zeiten wusste man,
was das bedeutete.
Das waren die sogenannten Glückskinder
In den Märchen erscheinen sie oft als die "Dummlinge".
Nicht besonders ehrgeizig,
nicht angepasst,
nicht laut.
Und doch sind sie es,
die am Ende ans Ziel kommen.
Nicht durch Kampf,
oder Klugheit,
sondern durch Zuversicht,
durch Liebe,
und durch eine stille Fröhlichkeit,
die sie durchs Leben trägt.
Die Weisheit des "Dummlings"
Der "Dummling" hört zu, beobachtet
und lässt sich auf Begegnungen ein.
Oft wirkt er naiv,
doch gerade darin liegt seine Stärke:
Er bleibt offen für das, was sich zeigt.
Er ist nicht derjenige,
der alles weiss oder vorausplant.
Er lässt sich nicht von Erwartungen
oder vorgegebenen Wegen leiten.
Im Laufe meines Lebens
habe ich mich in dieser Figur immer wieder wiedererkannt.
Mein Weg verlief selten geradlinig,
und trotzdem verlor ich nie meine Ziele aus den Augen.
Es haben sich immer wieder Türen geöffnet.
Entscheidungen wurden klar -
nicht durch Druck,
sondern durch ein inneres Wissen
darum, was stimmig ist.
Zauber ist eine Haltung
Wenn ich von Zauber spreche,
meine ich damit die Bereitschaft, wahrzunehmen,
dass nicht alles erklärbar
oder kontrollierbar ist.
Zauber ist für mich eine innere Haltung
Diese Haltung entsteht dort,
wo man langsamer wird,
wo man nicht alles sofort einordnet,
sondern wirken lässt.
Zauber zeigt sich im Alltag oft leise:
in Geschichten,
in inneren Bildern,
in Momenten von Verbundenheit.
Warum daraus meine Arbeit entsteht
Aus dieser Haltung heraus
ist meine Arbeit gewachsen.
Alles, was ich tue –
Geschichten schreiben,
kleine Begleiter gestalten,
Kinder und Erwachsene begleiten –
entspringt dem Wunsch,
innere Sicherheit zu stärken.
Ich habe immer wieder erlebt,
wie sehr Menschen davon profitieren,
wenn sie sich gesehen fühlen,
ohne dass erklärt oder korrigiert wird.
Manchmal geschieht dieses Gesehenwerden durch Worte und Geschichten.
Manchmal auch durch etwas ganz Konkretes,
das man in die Hand nehmen kann –
so wie die kleinen Mutmachzwerge,
die aus genau diesem Bedürfnis nach Halt und Sicherheit entstanden sind.
Meine Arbeit versteht sich
als Ergänzung zur Realität,
nicht als deren Gegenentwurf.
Als Erinnerung an eine Fähigkeit,
die wir oft verlieren:
wahrzunehmen,
zu fühlen
und Zusammenhänge zu erkennen.
Vielleicht braucht es heute auch Menschen,
die diesen Zauber bewahren
und an die nächste Generation weitergeben.
Aus diesem Gedanken heraus entsteht mein Kurs
für Grossmütter hochsensibler Kinder.
Mein Motto für 2026
Wenn ich heute sage:
Mein Leben ist wundervoll,
Mein Leben ist zauberhaft.
dann sage ich es aus Erfahrung,
aus einem langen Weg.
und aus der Entscheidung,
dem Zauber wieder Raum zu geben.
Vielleicht ist Zauber nichts,
das man sucht.
Vielleicht entsteht er dort,
wo man aufhört,
sich selbst zu übergehen.
Und das darf sein.